Die Wintersonnenwende (auch Julfest genannt) ist eins der acht Jahreskreisfeste, die in ihrer Gesamtheit über das Jahr verteilt den Kreislauf des Lebens symbolisieren. In diesem Zyklus von Werden und Vergehen markiert die Wintersonnenwende den tiefsten Punkt im Zyklus, den Punkt an dem Altes gehen darf (Tod), um Raum für Neues zu schaffen ((Wieder)Geburt).

Ihr gegenüber liegt die Sommersonnenwende (Litha), die den höchsten Punkt im Zyklus markiert, den Höhepunkt des Wachstums, der eine Zeit der Reife einläutet.

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Wann wird die Wintersonnenwende gefeiert?

Die Wintersonnenwende ist die längste Nacht bzw. der kürzeste Tag des Jahres und fällt auf der Nordhalbkugel meist auf den 21. Dezember (auf der Südhalbkugel auf den 21. Juni). Der genaue Zeitpunkt ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich, da er sich danach bemisst, wann die Sonne ihren tiefsten Punkt am Horizont erreicht. In manchen Jahren ist das erst am 22. Dezember der Fall und es ist natürlich auch abhängig von der Zeitzone, in der du lebst.

Die Wintersonnenwende ist der astronomische Beginn des Winters.

Warum wird die Wintersonnenwende gefeiert?

Die Wintersonnenwende ist der dunkelste Moment, an dem wir uns im Verlauf eines Jahres befinden, und birgt gleichzeitig einen Hoffnungsschimmer in sich – denn es ist auch der Moment, an dem das Licht wiedergeboren wird. Von nun an werden die Tage Stück für Stück wieder ein kleines bisschen länger und wir können uns auf einen neuen Frühling freuen.

Wir befinden uns an einem Wendepunkt und sind eingeladen, innezuhalten und uns auf unser inneres Licht zu besinnen. Auf die Stärke und Lebenskraft, die in uns allen schlummert, auch wenn es sich manchmal nicht so anfühlt.

Es ist ein Moment der Stille, denn das Wort Sonnenwende leitet sich vom Lateinischen „Solstitium“ für „SonnenSTILLstand“ ab. Die Sonne hat ihren tiefsten Punkt am Horizont erreicht und verharrt dort einen Moment, bevor sie sich wieder auf ihren Weg zum höchsten Punkt macht (zur Sommersonnenwende am 21. Juni (Nordhalbkugel) bzw. 21. Dezember (Südhalbkugel)).

Zeitqualität

Die Wintersonnenwende ist ein natürlicher Wendepunkt im Jahresrhythmus, der sich auch in unserem Leben zeigt. Die Zeitqualität ist nämlich ähnlich der Dunkelmondin (wenn die Mondin gar nicht mehr am Nachthimmel zu sehen ist) bzw. der Menstruation (wenn du (noch) einen Menstruationszyklus hast). Es ist der Tiefpunkt unseres gesamten Erlebens, wir sind in der Regel nach innen gekehrt und mit unserer Essenz verbunden, und können diese Zeit bewusst nutzen, um unsere Kraft- und Energiereserven wieder aufzufüllen.

Auch in der Natur können wir das beobachten, die in ihrem tiefsten Winterschlaf liegt: Die Bäume sind kahl, haben ihren Lebenssaft zurück in ihre Wurzeln gezogen, Schnee und Eis bedecken möglicherweise das Land, es ist dunkel und kalt. Und doch spüren wir, dass sich tief innen etwas vorbereitet, unter der Erdoberfläche.

Denn während die Natur augenscheinlich eine Ruhepause einlegt, vertiefen in Wahrheit die Bäume und Pflanzen ihre Wurzeln, um im neuen Jahr ein stabiles Fundament für ihr Wachstum zu haben. Die herabgefallenen Blätter werden von Kleinstlebewesen kompostiert und in ihre Bestandteile zerlegt, wo sie im neuen Jahr als Nährstoffe wieder zur Verfügung stehen.

Wir können diese Jahreszeit bewusst wahrnehmen, indem wir mit Kerzen, Kränzen und Zweigen dekorieren, Plätzchen backen, Geschichten und Märchen erzählen, orakeln, um dadurch schon einmal einen Vorgeschmack auf das Neue zu erhalten, das da kommt – und uns bei all dem auch genügend Zeit für uns selbst nehmen (oder so wie es für dich in deiner Situation eben gerade möglich ist).

Wie kannst du die Zeitqualität ehren?

Wir denken oft, es müsse etwas Großes, Bedeutendes sein, um eine bestimmte Zeit oder einen Lebensabschnitt zu zelebrieren, dabei sind es gerade die kleinen Alltagsrituale, die den Unterschied ausmachen. Hier sind ein paar Ideen, wie du diese Zeit in deinem Alltag würdigen kannst:

  • Gestalte dir einen Winter-Altar: Richte dir eine Ecke im Raum, ein kleines Tischchen oder einfach eine Schale her, die du mit allem dekorierst, was für dich zum Winter dazugehört: z.B. immergrüne Zweige, Sterne, Nüsse, Orangenschalen und natürlich Kerzen/Lichter als Symbol für das wiedergeborene Licht der Sonne. Nimm dir auch immer mal wieder ein paar Augenblicke Zeit, um zum Beispiel die Kerzen anzuzünden, einen Moment der Stille zu genießen und dich mit dem Winter zu verbinden.
  • Stärkung mit Nährstoffen: Was wir im Herbst als Ernte eingefahren und eingemacht haben, dient uns jetzt als Nahrung und Stärkung durch die kalten Wintermonate. Die Energie der Sonne und des Sommers ist in ihnen gespeichert und so bieten sich Gerichte mit Kartoffeln, Wintergemüse, Wurzeln oder Äpfel an, wie Eintöpfe oder Eingemachtes.
  • Schmücken mit immergrünen Zweigen: Schon vor hunderten Jahren schmückten die Menschen ihre Hütten mit Efeu, Wachholder oder Mistelzweigen, um an die Natur zu erinnern. Da diese im Außen mit Schnee bedeckt ist, sollte sie so in die Häuser eingeladen werden.
  • Räuchern: Nichts gehört so sehr in diese Jahreszeit, wie Räucherwerk! Salbei zum Reinigen, Kampfer zum Klären oder Weihrauch zum Segnen sind einfach mit dieser Zeit verbunden. Räuchern ist auch ein wesentlicher Bestandteil der Rauhnächte – eine Tradition um das alte Jahr bewusst abzuschließen, bevor das neue eingeladen wird, die im Dezember begangen wird.

Die Bedeutung der Wintersonnenwende

Die Zeit der Wintersonnenwende symbolisiert wie keine andere den Prozess von Tod und (Wieder)Geburt, und so beschäftigen sich auch ihre Themen mit der Dualität von Rückschau und Verarbeiten versus Hoffnungen und Träume.

Rückzug, Stille, Innenschau

Auch wenn das Licht nun wiedergeboren ist, es braucht eine Weile, bis wir wieder mit seiner frischen Kraft für das neue Jahr angefüllt sind. Daher ist jetzt nicht die Zeit für Neujahrsvorsätze, sondern es geht weiterhin um Rückzug und Innenschau, um unsere persönliche Winterruhe. Dass diese durchaus bis in den Februar andauern kann, ist meiner Meinung nach der Grund, warum so viele Neujahrsvorsätze so schwer in die Tat umzusetzen sind.

Genau wie in der Natur unter der Erdoberfläche, geschieht gerade in unserem Inneren unglaublich viel. Da wird kompostiert und neu sortiert und ein neuer Samen gesät – und das alles praktisch ohne dass wir bewusst etwas TUN müssen. Stille und abwarten sind die Devise.

Ein bisschen wie in der Schwangerschaft, wenn im ersten Trimester äußerlich kaum etwas zu sehen ist, doch in uns ein vollständiges menschliches Wesen entsteht. Kein Wunder also, dass man sich zu der Zeit so kaputt fühlt, der Körper läuft schließlich auf Hochtouren!

Geduld und Ausdauer

Damit der Samen jedoch Wurzeln schlagen und sich festigen kann, braucht es vor allem eins: Geduld und Ausdauer. Das Gras wächst halt nicht schneller, wenn man dran zieht.

Doch gerade in unserer heutigen Zeit haben wir vielfach verlernt diese beiden Qualitäten bewusst in unserem Leben zu kultivieren. Wir sind ständig erreichbar bzw. andere für uns, können jederzeit fast alles kaufen, und sind ständig nach dem Dopamin-Kick aus, der sich durch die sofortige Befriedigung von Bedürfnissen ergibt.

Doch „gut Ding will Weile haben“ und so dürfen wir in dieser Jahreszeit darauf achten, dass wir wirkliche Ruhe und Entspannung finden, statt uns durch Social Media, Shopping, Netflix, Arbeiten o.ä. abzulenken.

Genau wie die Menstruation im Menstruationszyklus (oder die Dunkelmondin im Mondzyklus) ist dies eine Zeit auch mal nichts zu tun und die Energiereserven sich auffüllen zu lassen.

Hoffnung und Frieden

Das Licht wird in der Nacht der Wintersonnenwende wiedergeboren und spendet uns neue Hoffnung. Was bedeutet Hoffnung für dich, auf was hoffst du? Hast du Hoffnung im Leben?

Oder auch: Wie kannst du deine Zuversicht, dein Vertrauen stärken, dass nach jeder dunklen Nacht auch wieder ein lichter Tag kommt und du die Möglichkeit hast, all das Gute in dein Leben zu ziehen, das du dir wünschst?

Was darfst du vergeben und loslassen – oder wem – um deinen inneren Frieden zu finden? Denn Vergebung geschieht nicht für jemand anderen, sondern immer nur für uns selbst.

Das Licht begrüßen

Noch ist kaum wahrzunehmen, dass die Tage tatsächlich wieder länger werden, daher ist das Feuer ein wichtiges Symbol zu dieser Zeit. Egal ob in Form einer Kerze, einer Feuerstelle, eines Ofens oder Kamins – die Kraft des Feuers schenkt Hoffnung und erinnert uns daran, dass auch wir ein unauslöschliches Licht in uns tragen.

Wofür brennst du, was begeistert dich, was bringt dein inneres Licht zum Strahlen?

Es geht auch gar nicht darum, dass du ständig vor Energie sprühen sollst, dass dein inneres Feuer wild lodern muss, es darf sich durchaus eine Pause gönnen und vielleicht nur sanft glimmen, das ist völlig okay. Manchmal äußert sich dieses Licht auch einfach in stiller Freude und du weißt „Es ist doch schon alles irgendwie gut, wie es ist!“

Die Wintersonnenwende im Kreislauf des Lebens

Die Weisheit der einzelnen Jahreskreisfeste ist auch immer auf die größeren Lebenszyklen anzuwenden, die wir als Menschen durchlaufen – kein Wunder, da sie ja den Kreislauf des Lebens widerspiegeln.

Die Wintersonnenwende markiert den dunkelsten Moment des Jahres, einen Moment der Stille, des Rückzugs und der Energielosigkeit und ist vergleichbar mit Mitternacht (oder eben der Menstruation bzw. Dunkelmondin).

Übertragen auf ein menschliches Leben bedeutet das die Lebensphase ab ca. 80 Jahren bis zum Tod, der nun immer präsenter wird. Spätestens jetzt beginnen wir, uns bewusster mit dem Sterben auseinanderzusetzen, unser Leben zu reflektieren und uns darauf zu besinnen, was uns für die verbliebene Zeit noch wichtig ist.

Jetzt ist die letzte Gelegenheit zu bereinigen, was noch offen ist und Frieden zu schließen mit dem, was wir in unserem Leben alles so erlebt haben. Es gilt, den Nachlass zu regeln und letzte Vorkehrungen zu treffen, sodass wir in Frieden und in Würde sterben können.

Leider hat sich unsere westliche Gesellschaft sehr weit von den Zyklen der Natur entfernt, bei denen der Tod stets präsent ist und zum Leben dazugehört. Das muss nicht immer ein physischer Tod sein, Frauen und Menstruierende sterben jeden Monat einen Ego-Tod (Menstruation bzw. Dunkelmondin) und haben die Chance, Ausgedientes abzustreifen und Neues in ihr Leben einzuladen. Doch unsere Gesellschaft kehrt diesen Fakt gerne unter den Teppich und ist geradezu Todes-avers …

Wie kannst du die Wintersonnenwende feiern?

Da sich die Natur zu dieser Zeit in einer Art Winterschlaf befindet und unter der Erdoberfläche im Verborgenen verarbeitet, vertieft und kompostiert, sind auch wir Menschen eingeladen genau das zu tun. Daher geht es in den Ritualen darum nach innen zu gehen, Erlebnisse zu verarbeiten, uns und unsere Wurzeln zu stärken und auf unser inneres Licht zu besinnen.

Persönliche Rituale

  • Erdung und Verwurzelung: Wie die Bäume und Pflanzen, die ihren Lebenssaft in ihre Wurzeln zurückgezogen haben, um diese weiter zu vertiefen und zu festigen, kannst auch du dich mit deinen eigenen Wurzeln verbinden. Zünde eine Kerze an, nimm einige tiefe Atemzüge, werde in deinem Körper präsent. Dann bring deine Aufmerksamkeit zu den Körperteilen, die jetzt gerade den Boden berühren. Sieh oder spüre, wie deine Wurzeln sich den Weg in die Erde suchen, lass sie sich vertiefen und verzweigen, bis in die Tiefen der Erde und zu ihrem roten Erdkern. Verbinde dich mit dieser roten Erdenergie und lasse sie durch deine Wurzeln hinauf bis in deinen Körper fließen. Die Erde trägt und nährt dich, sie ist immer für dich da!
  • Jul-Kerze einweihen: Kaufe oder gieße dir eine schöne Kerze (sie sollte nicht zu klein sein!). An der Wintersonnenwende (dem Jul-Fest) entzündest du sie feierlich, um die Wiedergeburt des Lichts zu ehren. Diese Jul-Kerze ist eine Glückskerze voller guter Energien und soll dich durch das kommende Jahr begleiten. Du kannst sie immer wieder zu besonderen Momenten anzünden, oder wenn du einen Schimmer Hoffnung brauchst.
    Im nächsten Jahr zu Beginn der Adventszeit gestaltest du dann einen Kranz oder Teller mit dieser Jul-Kerze in der Mitte und vier weiteren Kerzen drumherum. Das ist ähnlich wie der bekannte Adventskranz, doch jetzt kommt’s: Zum 1. Advent entzündest du alle vier Kerzen und die Jul-Kerze des Vorjahres. Zum 2. Advent entzündest du nur noch drei Kerzen und die Jul-Kerze usw. Dies soll symbolisieren, dass das Licht bzw. die Sonnenkraft abnimmt und wir uns auf den dunkelsten Moment des Jahres hinbewegen.
    Zur nächsten Adventszeit kaufst oder gießt du dir eine neue Jul-Kerze für das kommende Jahr und nutzt am Tag der Wintersonnenwende die Jul-Kerze des Vorjahres, um die neue Kerze feierlich zu entzünden. Die alte Jul-Kerze darf nun vollständig abgebrannt werden und die neue wird dich durch das kommende Jahr begleiten.
  • Rauhnächte: Die Rauhnächte sind die berühmte Zeit „zwischen den Jahren“ und eine wunderschöne Tradition, um das alte Jahr bewusst abzuschließen und das neue einzuladen. In diesen 12 heiligen Nächten geht es darum das alte Jahr zu reflektieren, loszulassen, Lernprozesse und Erfahrungen zu würdigen und dann die Samen zu säen für das, wovon wir im neuen Jahr mehr in unser Leben holen möchten. Du findest HIER einen ausführlichen Artikel über diese magisch-mystische Zeit und HIER die Möglichkeit, dich von mir durch die „Geheimnisvollen Rauhnächte“ begleiten zu lassen.

Rituale in der Gruppe

  • Gemeinsam Sein: Kommt in dieser Zeit zusammen, um gemeinsam einfach zu SEIN. Vielleicht mögt ihr Musik hören (und diese auch ganz bewusst hören), oder Kränze aus immergrünen Zweigen gestalten, Plätzchen und Heißgetränke verzehren und euch darüber austauschen, wie das Jahr für jede anwesende Person gelaufen ist. Was war deine größte Lektion dieses Jahr und was möchtest du für das nächste Jahr einladen?
  • Geschichten, Märchen und Mythen erzählen: Wie die Menschen sich früher zu dieser Zeit in ihre Hütten zurückzogen, um am Feuer Geschichten, Märchen und Sagen zu lauschen, so können wir das auch heute ganz bewusst tun.
    Kommt zusammen und erzählt euch Geschichten. Stellt euch vor, wie damals der Wind um die Hütten sauste … da hörte man bisweilen auch ein leises Pferdewiehern in dem Sturm. Oder Hundegebell, knallende Peitschen und Hörner. Und die Menschen wussten: Die Wilde Jagd ist unterwegs! Der Allvater Odin mit seinem Gefolge aus Geistern und Dämonen, die durch die Tore der Anderswelt herübergekommen waren. Er und seine Gemahlin Frigg, hier besser bekannt als Frau Holle, führten diesen Trupp zu Zeiten der Rauhnächte über’s Land und es war gefährlich rauszugehen, denn sollte man ihnen begegnen Bestand keine Garantie, dass sie einen nicht sofort verschleppten und man selbst zu einer verlorenen Seele wurde …

Hast du Fragen oder kennst noch weitere Bräuche oder Rituale, die du gerne zur Wintersonnenwende feierst? Schreib mir, ich freue mich immer über neue Anregungen!

Möchtest du dich wieder mehr mit dem Kreislauf des Lebens verbinden und mit dem Rhythmus, der Monat für Monat durch deine Adern fließt? Ich verschicke wöchentlich persönliche (elektronische) Briefe, die dich unterstützen, dich wieder an das Wissen zu erinnern, das bereits in deinen Knochen steckt.

Es ist Zeit unser Leben wieder in die eigene Hand zu nehmen und der Weisheit unseres Körpers zu vertrauen, um uns kraftvoll durch das Auf und Ab des Lebens zu leiten!

Wenn du den Ruf spürst, melde dich für meine Seelenpost an:

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