Ich habe schon seit vielen Jahren eine schmerzhafte Blutung, zumindest in den ersten zwei Tagen. Und seit ich mich mehr mit meiner Persönlichkeitsentwicklung beschäftige und immer mehr innerlich aufräume ist es sogar noch schlimmer geworden, sodass manchmal selbst starke Schmerztabletten nicht helfen. Ich habe dann Symptome einer Magen-Darm-Grippe mit allem, was dazugehört, liege auf dem Sofa und überlebe nur von Atemzug zu Atemzug. Und versuche, vor Schmerzen nicht verrückt zu werden.

Irgendwie habe ich gelernt, das anzunehmen. Ich weiß, dass das nicht der Normalzustand der Blutung ist/sein sollte, aber es ist okay für mich, dass es jetzt eben so ist. Und leider ist das auch für viele andere Frauen so. Ich habe mal gelesen, dass unterdrückte Wut zu solchen Schmerzen führen kann, und ich glaube, dass viele unserer Gefühle, wenn wir sie nicht verarbeiten, hier angestaut werden, in unserem Schoßraum. Unterdrückte Wut kann ich auf jeden Fall nachvollziehen, nicht nur meine eigene (denn „brave Mädchen sind ja nicht wütend oder aufmüpfig“ …), sondern auch die meiner Vorfahrinnen. Denn so etwas kann durchaus durch die Ahnenlinie weitergegeben werden. Und wie Frauen in den letzten mindestens 2.000 Jahren immer wieder behandelt worden sind, welche Erniedrigung und Zurechtstutzung sie haben erfahren müssen, da ist es kein Wunder, dass viele Frauen (bewusst oder unbewusst) Wut in sich eingeschlossen haben.

Und ich weiß auch, dass die Stärke der Schmerzen bei mir ein Anzeichen dafür ist, wie ich mit meinem Körper in der Zeit/im Monat davor umgegangen bin. Denn wenn ich entspannt war, Freude hatte, vielleicht auch tolle Erlebnisse (mir auf jeden Fall nicht ständig Druck gemacht habe), dann ist auch die Blutung viel entspannter.
Ich weiß noch als mein Mann und ich auf Hochzeitsreise in Schottland waren, da blutete ich genau vor der Reise und fing am Tag der Heimreise wieder an. Wir hatten in den dazwischenliegenden drei Wochen eine wunderbare Zeit, haben tolle neue Erfahrungen gemacht, die Landschaft genossen und ja, auch mal Auseinandersetzungen und Probleme durch meine Zwänge gehabt. Aber insgesamt ging ich sehr positiv durch den Monat – und hatte in der folgenden Blutung so wenige Schmerzen wie seit Jahren nicht. Also weiß ich, es liegt auch viel daran, wie ich mit mir umgehe. Wie viel Freude ich mir erlaube zu haben (wir Menschen sind es nicht gewohnt, dauerhafte Freude zu empfinden und beschwören oft Situationen herauf, durch die unsere Hochstimmung ganz schnell wieder getrübt wird – lies dazu gerne das Buch „The Big Leap“ von Gay Hendricks und beobachte dich danach mal ;-)). Und auch wie schnell ich wieder in hoffnungsvolle Stimmung bzw. in meine Mitte komme, wenn das Leben passiert und es mir mal schlecht geht.

Ich hoffe, dass ich irgendwann aufwache und sage „Jetzt ist Schluss! Jetzt folge ich dem Rhythmus meines Körpers (und meiner Freude) voll und ganz“. Doch so weit bin ich (noch) nicht. Und vielleicht ist es auch eher ein langsamer Übergang, verschiedene Iterationen, bei denen ich immer mehr und mehr auf den Rhythmus meines Körpers vertraue und schaue, was passiert. Vielleicht verändert sich bzgl. der Schmerzen nichts. Aber vielleicht ja doch :-)

Auf jeden Fall lag ich beim letzten Mal so darnieder und irgendwann ließen die Schmerzen nach, sodass ich wieder ein bisschen klarer denken konnte und da schoss mir so ein Gedanke durch den Kopf: Was für ein cooles Organ meine Gebärmutter doch ist! :-) Sie hat keine Hände, kein Gerät zum Ausschaben und Putzen und doch schafft sie es jeden Monat durch Bewegungen und Verkrampfungen die komplette aufgebaute Schicht an Schleimhäuten aus dem Körper zu kriegen! Vollständig und ohne Rückstände, denn wenn die blieben, könnten sie gammeln. Tun sie aber nicht, weil unsere Gebärmutter ALLES gründlich saubermacht und loslässt. Nur durch Zusammenziehen und Lösen – ist das nicht klasse?!? Was ist die Gebärmutter für ein tolles Organ, das uns jeden Monat hilft, das Alte loszulassen und Platz für Neues zu schaffen!

Und da ich gerade das Buch „The Artist’s Way“ von Julia Cameron lese und eine wöchentliche Aufgabe ist, ein Kunst-Date mit mir zu haben, habe ich diese Inspiration in mein erstes Date einfließen lassen und (m)eine Gebärmutter gemalt. Und dies ist das Ergebnis.

Ich möchte ihr danken, dass sie immer für mich da ist, jeden Monat pünktlich und stabil (in meinem Fall)! Dass sie immer auf meiner Seite ist, durch alle Erlebnisse und Erfahrungen hindurch, auch die negativen in Bezug auf meine eigene Sexualität. Sie hat mich begleitet und gibt mir weiterhin Monat für Monat die Chance, das Alte zu verarbeiten und Raum für neue Erlebnisse zu schaffen. Und das wird wahrscheinlich nicht das letzte Bild dazu sein ;-)

Schreib mir gerne, was deine Gedanken dazu sind und wie du deine Gebärmutter wahrnimmst. Ob du überhaupt schonmal darüber nachgedacht hast, was für tolle Arbeit sie leistet ;-)
Und wenn du selbst keine Gebärmutter besitzt, dann überleg mal was für eine klasse Arbeit dein Darm macht! :-) Der tut nämlich das gleiche, nach jedem Essen putzt er sich, ohne Hände, ohne Werkzeug, ohne irgendwas, nur durch die Kraft seiner Bewegung und ist nach jedem Essen wieder richtig rein! Cool oder? Also ich finde es fast schon magisch was unser Körper zu leisten im Stande ist, das verdient Anerkennung! Deswegen: Lasst uns unsere Körper feiern und sie nicht als dieses „Ding“ wahrnehmen, das unseren Verstand herumkutschiert und irgendwie nie macht was es soll bzw. was wir wollen dass es macht. Unser Körper macht so viel für uns, ist immer für uns da. Er hat uns bis hierher begleitet und wird bis zum Ende an unserer Seite sein.

Danke dafür!